Wiedergeburt in der Gartenlaube
Der SV Chemie Böhlen feiert turbulente 20-jährige Vereins-Geschichte mit einem Traditionsspiel.
Es gibt in diesem Sommer einen gewichtigen Grund zum Feiern an der traditionsreichen Jahnbaude, denn der SV Chemie Böhlen begeht sein 20-jähriges Vereinsbestehen. Am Sonnabend standen sich aus diesem Anlass das aktuelle Bezirksklasse-Team und eine Traditionsmannschaft mit Spielern gegenüber, die von 1994 bis 1997 in der Landesliga kickten.
Viele Weggefährten des Vereins waren gekommen, und da wurde so manche Erinnerung besonders an die turbulenten Anfangsjahre hervorgekramt. Eine Rückblende: Sportlich lief es bestens in der Saison 1989/90 für den Vereinsvorgänger BSG Chemie Böhlen. Doch mit der Wende kamen große finanzielle Probleme, die in einer Fusion mit der BSG Chemie Leipzig zum neuen FC Sachsen mündeten. Die stärksten Spieler gingen nach Leutzsch, in Böhlen drohten die Lichter auszugehen.
“Zurückgeblieben waren die Nachwuchsabteilung und zwölf Spieler der 2. Mannschaft inklusive einiger A-Jugendlicher”, erinnert sich Helmut Friedel (60), der ehemalige Trainer der Zweiten. “Dann haben sich fünf Leute im Garten von Jugendleiter Peter Welt getroffen, und dort haben wir beschlossen, das wir weitermachen in Böhlen”. Welt wurde Abteilungsleiter, Friedel übernahm die zur Ersten erklärte Zweite in der Bezirksliga und führte sie 1993/94 in die Landesliga.
Doch 1997 folgte mit der Insolvenz der nächste Rückschlag. Erneut verließen die stärksten Kicker den Verein. David Kühn (32): “Mit Trainer Tino Seidel haben wir uns danach aus der 2. Kreisklasse bis 1999 in die Regionalliga Borna/Geithain zurückgekämpft”. 2003/04 folgte unter Trainer Mario Sura der Aufstieg in die Bezirksklasse. Nach mehreren Trainerwechseln sitzt seit 2008 Tom Krauspe auf diesem Stuhl. Er gehörte zu jenem Landesligateam der 90er. “Das war eine schöne Zeit, aber finanziell eben eine sehr schwierige.” Krauspe kickte danach lange Zeit in Thierbach, bevor er 2008 zu seinem alten Verein zurückkehrte.
Sein damaliger Trainer Helmut Friedel coacht heute den Bezirksklasse-Kontrahenten Liebertwolkwitz und hat mit dem Team gerade den Aufstieg geschafft. “Aber heute hat man mich eingeladen, meine alte Mannschaft zu betreuen, und ich freue mich auf das Wiedersehen.”
Ronny Lippmann, der Chef-Organisator des Traditionsspiels, ist der einzige Ex-Landesligist, der auch heute noch aktiv in der Bezirksklasse kickt. Er hatte sich diesmal für das Oldie-Team entschieden. Nach einem beachtlichen Pausen-0:0 verloren die heute 35- bis 40-Jährigen letztlich 2:5. “Bei der Hitze haben die Jüngeren dann ihre konditionellen Vorteile genutzt. Aber es war ein schönes Spiel”, resümierte Lippmann zufrieden.
Das Ergebnis war sowieso Nebensache an diesem Tag des Wiedersehens und Erinnerns, der mit einem geselligen Beisammensein ausklang. Böhlens Torjäger-Legende Klaus Havenstein brachte es auf den Punkt: “Man kann nur den Hut ziehen vor allen, die mit großem Einsatz dafür sorgen, dass hier an der Jahnbaude der Fußball weiter rollt.”
Aufstellung Traditionsteam: Heiko Sander, Dirk Arnold, Ralf Galle, Jens Kuhnt, Sven Fischer, Axel Welt, Tom Krauspe, Silvio Gorecki, Ronny Schömann, Lars Tröger, Maik Gottschling, David Kühn, Steve Neudeck, Daniel Becker, Ronny Lippmann. Trainer: Helmut Friedel
Bezirksklasseteam: Dirk Rieger, Sascha Tautenhahn, David Baage, Rico Brehmer, Philipp Bothung, Steve Bröcker, Toni Röder, Alexander Wittig, Danny Kirsten, Sven Tanzer, Tino Naumann, Kai Bleschke, Sascha Hofmann, Fabian Straßburg. Trainer: Tom Krauspe
Tore: Lippmann, Becker – Röder, Tautenhahn, Rieger, Kirsten, Baage












